Wie in meinem letzten Artikel erwähnt, ist Social Media in aller Munde und auch wenn die sozialen Netzwerke eine relativ junge Erscheinung sind, so ist doch jetzt schon zu Anfang erkennbar, dass diese Art der öffentlichen Kommunikation tiefgreifende Veränderungen mit sich ziehen wird.
Und das liegt sicherlich primär daran, dass die Inhalte die von den Nutzern ins Netz gestellt werden, das ganz normale tägliche Leben wieder spiegelt und so Gefühle, Interessen, Erinnerungen, Erlebtes, Meinungen und andere Themen für jeden Anderen sichtbar sind.
Die meisten Unternehmer haben mittlerweile verstanden, wie wichtig es ist, sich erst einmal ein Gesamtbild zu verschaffen, in dem „Zuhören“ die Voraussetzung schlechthin ist.
Doch damit nicht genug.
Ein Unternehmen das sich an die klassischen Maßstäbe der Medienplanung hält und so schnell und so viel wie möglich verkaufen möchte, hat Social Media nicht verstanden und wird sich über kurz oder lang an einem Grenzpunkt befinden, der ein Umdenken geradezu erzwingt. Social Media kann man nur dann gewinnbringend einsetzen, wenn man Schritt für Schritt die Voraussetzungen für einen vertrauensvollen Dialog mit dem User schafft und dies geschieht, in dem man zuhört, Fragen stellt, zuhört, Interesse zeigt, Erfahrungen austauscht, zuhört, Vertrauen aufbaut und zuhört. Das Interesse am eigenen Produkt wird dann von alleine entstehen, da der Unternehmer schon im Vorfeld mit jenen Usern in Verbindung tritt, denen er mit seinem Produkt oder Dienstleistung weiter helfen kann.
Ein erster Erfolg zeigt sich somit nicht in der Anzahl der geschalteten Werbeflächen, sondern in der Summe der von den Usern herbei geführten Gespräche. Marketing in seinen vielfältigsten Variationen, die zielgerichtet auf Verkauf aus sind, kann ich daher nur als eine veralterte mechanische Form des Verkaufens bezeichnen und hat mit Social Media, dem es um „Beziehung aufbauen und gestalten“ geht nur geringfügig etwas gemeinsam.
Social Media ist also eine sanfte Form der mechanischen Gesprächsführung. Quasi der wieder entdeckte Humanismus im Bereich des Marketing. Statt Kontaktzahlen und „wie lange halte ich Jemanden bei der Stange?“ wird hier großer Wert auf die Wahrscheinlichkeit der Weiterverbreitung gelegt.
Und mal ehrlich, wenn eine mir nahe stehende Person mir von einem Produkt oder einer Dienstleistung erzählt und mir empfiehlt dieses zu kaufen oder in Anspruch zu nehmen, weil eben jene Person gute Erfahrungen damit gemacht hat oder von deren Qualitäten überzeugt ist, kaufe ich wohl eher das Produkt, als wenn irgendein wildfremder Mensch mich mit was auch immer für Argumenten voll sülzt und nur verkaufen möchte. Und warum tue ich dies? Weil Vertrauen an erster Stelle steht. Weil ich nicht die Zeit und Lust habe, ewig lange im Netz herum zu surfen, um schließlich das Passende für mich zu finden. Vertraue ich einer Person oder einem Unternehmen, dann wird das Verkaufen/Kaufen zur Nebensache.
Herkömmliches Marketing denkt immer noch stark markenorientiert und zwar durch „Preis-Produkt-Ort-Promotion“, während in einem kundenorientierten Marketing neue Maßstäbe wie „Menschen-Intention (Absicht) -Partizipation (Teilnahme, Mitwirkung)“ gesetzt werden. Dies alles heißt natürlich nicht, dass man sich von der Marke verabschieden kann, denn diese ist und bleibt auch in der Zukunft für das Marketing eine grundlegende Voraussetzung.
Allerdings sollten diejenigen die Social Media für sich nutzen wollen, Abstand von den üblichen Markenbotschaften nehmen und sich stattdessen darauf konzentrieren, was die Absicht ihrer Marke ist und in wiefern diese dem Kunden eine Hilfe sein kann. Diese geänderte Sichtweise des Unternehmens hat nun zur Folge, dass die Marke oder die Dienstleistung über Social Media für den Endkunden erlebbar wird.
Ferner wird so den Kunden die Angst vor Kontrollverlust genommen, denn niemand möchte sich weiterhin passiv berieseln lassen und schlussendlich vor die Entscheidung gestellt werden, ob denn nun gekauft wird oder nicht. Wie an diesem Beispiel zu erkennen, ist Social Media nicht nur eine sanfte Form des Marketings, sondern auch eine flexible und anpassungsfähige. Sie ist in der Lage das Kommunikationsverhalten in sozialen Netzwerken sehr genau zu beobachten und Veränderungen schnell zu erkennen. In diesem Sinne weiß dann auch jeder Unternehmer der offen für Social Media ist, dass sich die User in einer Kommunikation nur dann öffnen, wenn für sie dadurch ein Mehrwert bzw. eine Erlebnismöglichkeit erzielt werden kann, die den aktuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechen und eine Vertrauensbasis vorab entstanden ist.
Ich persönlich wende die „ZORRO-Strategie“ an, wobei dessen Namensgeber soziale Kommunikation sehr eigenwillig, aber nichtsdestotrotz gewinnbringend praktiziert hat.
Und ein freundlicher und humanistischer Zorro, der mit seinem Degen die Welt des Marketing ein wenig aufmischt, würde uns sicherlich allen gut tun.

Z – Zuhören
O – Orientieren
R – Regulieren
R – Reden
O – Optimieren
In meinem nächsten Artikel möchte ich gerne auf die “Grundprinzipien von Social Media” eingehen sowie einen der wichtigsten Punkte “Enterprise 2.0″ als Grundlage von SocialMedia im Unternehmen.
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Hier schreibt Tobias, ein Informationsdesigner aus Graz im wunderschönen Österreich.
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This post was mentioned on Twitter by mweinelt: Lesetipp! Zuerst geben, dann nehmen – #SocialMedia erzwingt gerade zu ein Umdenken: http://ow.ly/SV04 by @famepix…
ich habe heute gehört, das es schon eine Software gibt (Name habe ich nicht behalten), wo man seine ganzen Social Media Profile relativ einfach löschen kann. Die Argumentation der Gründer war, wieder zurück zu “normaler” Kommunikation. Sie haben aber auch gesagt, dass sie etwas Probleme mit Facebook haben…
Ciao
Thilo
Hallo Thilo!
Ja sowas gibts in der Tat, ist aber keine wirkliche Software ansich.
Es gibt Webseiten die sowas automatisiert anbieten. Diese melden einen aber auch nur automatisiert aus diesen Netzwerken ab, quasi der selbe Weg den man manuell machen kann. Nur automatisiert erspart man sich die Klicks, und die Arbeit sich überall abzumelden.
Diese Tools sind aber mehr eine Spielerei, und noch viel mehr ein kleiner Spass.
Diese “normale” Kommunikation hört sich komisch an, denn diese “Social Networken” sollte das normale Gespräch “da draussen” nur ergänzen, und nicht ersetzen.
Niemand wird dazu gezwungen diese neuen Medien zu nutzen, und auch einige haben es noch nicht geschafft diese Medien richtig zu nutzen. (und zwar richtig im Zusammenhang mit Ihrer eigenen Zielsetzung) Wer also meint es ist alles schlecht, und er brauch es nicht – Der wird es auch nicht brauchen.
Hier darf man nichts verwechseln oder falsch verstehen, aber das tun leider viele.